Google Analytics – Ende der Diskussionen?

Verfasst von Andreas am 26. Mai 2010 | 19 Kommentare

Gestern Abend machte eine Meldung rasend schnell die Runde und dürfte sicherlich viele Aufatmen lassen. Google hat seinen Tracking und Analyse Dienst “Google Analytics” den Gegebenheiten des Deutschen Datenschutzes angepasst. Mit anderen Worten: Google Analytics speichert keine kompletten IP Adressen mehr.

Zufriedenstellende Lösung?

Google Analytics Plugin

Google hat die ganze Sache relativ Elegant gelöst ohne das es dadurch zu irgendwelchen Beeinträchtigungen der Funktionen von Google Analytics kommt. Allerdings wird es eventuell zu einer Beeinträchtigung der Statistiken kommen denn nun hat der User die Wahl, ob er nun getrackt werden will oder nicht. Google stellt dazu als Lösung ein Browser Plug-in zur Verfügung welches bei Benutzung bewirkt, das Google Analytics bei dem Surfer (der den Browser aktuell verwendet) deaktiviert wird. Es ist also ab sofort jedem selber überlassen, ob er von Google Analytics erfasst wird. Eine recht Demokratische Entscheidung die eigentlich allen gerecht werden sollte. Tut sie aber wahrscheinlich nicht oder besser, zur Zeit garantiert nicht. Safari und Opera Browser haben diese Option halt noch nicht. Kommt aber bestimmt noch.

Allerdings sind dadurch immer noch Lücken vorhanden, wenn auch recht kleine. Diese werden aber mit Sicherheit angrenzender Wahrscheinlichkeit die Gegner und selber ernannten Experten sowie Datenschützer in Deutschland auf den Plan rufen. Ist aber eh alles das gleiche Pack.

Dramatische Veränderungen in Deutschland?

Eigentlich müsste jeder Webmaster, Seitenbetreiber und Blogger bei der von Google präsentierten Lösung zusammen gezuckt sein. Jetzt kann man zwar wieder Bedenkenlos tracken und Analysieren aber stimmen die Ergebnisse in Zukunft überhaupt noch? Das wird sich zeigen. Ich persönlich werde dieses Plug-in sicherlich nicht installieren denn solche Analysen sind ein sehr gutes Mittel um einen Blog auf seine Besucher Maßzuschneidern. Ich glaube auch nicht wirklich, das eine große Masse dieses Plug-in installieren wird. Es sei denn, die Datenschutzsau wird weiterhin von den falschen Typen mit ihren paranoiden und überzogen Argumenten durch das Dorf getrieben. Wundern täte es mich nicht.

Alles dummes Zeug?

Irgendwie schon aber andererseits auch nicht. Mal kurz Überlegen, Google Analytics macht also nichts mehr mit meiner IP Adresse. Was ist mit den ganzen Affiliate Links, die werden auch durch dritte getrackt. Meine Email, da wird meine IP auch übermittelt und ist viel einfacher und für den Empfänger auszulesen. Kommentare im Blog? Ja, auch da taucht die IP Adresse auf. Jeder Hoster bietet extra ein Webtracking an. Oftmals wird das nicht vom Blog Betreiber gesichert und ist somit für jeden dann einsehbar. Auch da stehen die kompletten IP Adressen drin. Gespeichert und gehostet durch dritte. Wie bei Google Analytics. Und was können wir eigentlich damit noch anfangen außer zur Analyse? Herkunftsland und Stadt bestimmen oder eben den Server bzw. Internet Provider. Alles andere geht nur über juristische Wege.

Google reagiert mit Transparenz

Scheinbar geht Google nach der teils doch recht berechtigten Kritik in die Offensive. Google sorgte gestern mit zwei weiteren, sehr interessanten Meldungen, für Aufsehen. Bei Google Adsense wurden die Offiziellen Zahlen bzw. dessen Verteilung bei der Umsatzbeteiligung bekannt gegeben. Außerdem wurde Google Streetview Weltweit gestoppt. Der Grund war hier die Tatsache, das WLan Netze mit aufgenommen wurden und bei ungesicherten WLAN Netzen auch Daten eingesehen werden konnte. Das war natürlich alles andere als prickelnd und ein ziemlich dicker Fauxpas. An so etwas hätte man schon eher denken können. Jetzt werden die Street View Wagen umgebaut damit das nicht wieder passieren kann. Bis dahin ist Streetview gestoppt worden.

Verkehrte Welt

Bei dem ganzen Theater um Google, frage ich mich schon manchmal wer hier eigentlich der Schuldige ist? Mit Foursquare lassen sich Tausende im echten Leben via Internet verfolgen, inklusive genauer Ortsbestimmung in Echtzeit. Bei Facebook gehen Millionen mit ihren echten Daten und Vorlieben ganz offen hausieren. Bei dubiosen Internet Gewinnspielen für irgendwelche Apple Produkte, wird freiwillig Name, Adresse und Telefon Nummer angegeben. WLan Netz sichern? Mein Computer ist doch aus, kann ja nichts mehr passieren.

Den ganzen Plunder findet man dann ganz ordentlich, fast schon typisch Deutsch, zusammen getragen und übersichtlich präsentiert, auf einer einzigen Seite mit deinem Namen, Adresse, Bilder und vielen weiteren persönlichen Details auf einer dieser tollen “Personensuchmaschinen”. Ebefalls für alle Zugänglich und einsehbar. Keine halbe Sachen hier. Richtig Super ist auch der Umstand, wenn ein anderer den gleichen Nachnamen hat, genauso “Verantwortungsbewusst” mit seinen Daten sowie Privatsphäre umgeht aber eventuell ein einschlägig Bekannter und Verurteilter Straftäter ist. Da werden dann die Daten von beiden Personen zusammen gewürfelt und schon bist Du auch ein Straftäter, sogar mit passendem Foto. Oder eine verkappte rechtsradikale Gruppierung mit Mitglieder Liste und Fotos. Da taucht auf einmal auch dein Bild auf weil da einer wieder den gleichen Nachnamen hat. Tolle Sache oder nicht?

Ich muss schon sagen, unsere Datenschutzgesetze greifen richtig gut. Die Experten haben auch alle voll die Ahnung. Echt jetzt. Aber die vermeintlich größte Sorge mit Analytics ist scheinbar gelöst. Bei mir macht sich aber dennoch keine Begeisterung deswegen breit. Google ist nicht das Problem.

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Dieser Beitrag wurde von Andreas verfasst. Aktuell schreibt Andreas auch auf seinem Blog webseiten-labor.de, zudem war er Betreiber von wp-zone.de, den er zugunsten einer Zusammenarbeit mit Blogszene eingestellt hat.

  • Website: http://www.webseiten-labor.de

19 Kommentare

  1. Peter sagt:

    Ich sehe diese ganze Datenschutz Debatte eher als eine Art Google Bashing.

    Warum?

    Nun zuerst geben sehr viele Internet Nutzer freiwillig eine Menge an persönliche Daten weiter und dies ohne einen Zwang.

    Zweitens ist unsere Staat ehe der größte Datensammler der heutige Zeit. Gegen die war die Stasi nur Kinderkram

  2. torsten sagt:

    Die Lösung ist keine Gute. Und nachvollziehen kann ich das auch nicht. Durch das Opt-out nimmt sich Google die Grundlage, das Analytics von Webmastern eingesetzt wird.

    Warum sollten Webmaster in Zukunft GA einsetzen, wenn die Resultate nicht stimmen? Warum bietet Google keine selektive Möglichkeit des Opt-Out an sondern kehrt alles mit einem Besen?

    Ich bin immer noch am grübeln …

  3. Stephan sagt:

    … sicherlich der richtige Schritt von google – oder was soll denen den nun übrig bleiben ;-)

  4. Piet sagt:

    Für Google ein logischer Schritt um sich langsam aus der Schusslinie des Evergreens Datenschutzdebatte zu bewegen. Aber irgendwo auch ein Schuss ins Knie, denn wenn das Plugin viel Resonanz findet wird doch hierzulande kaum jemand länger auf Analytics setzen. Ich weiß noch nicht genau was ich davon halten soll…

  5. Ferit sagt:

    Ich finde die Hysterie um Google auch überzogen.

    @torsten Die Resultate stimmen auch weiterhin noch. “Nur die Daten des Karten-Overlay Reports werden etwas ungenauer.” Timo hat in seinem Blog ganz gut dargestellt welche Vor- und Nachteile die IP-Verkürzung oder der Browser Opt-Out Plug-In hat.
    http://www.timoaden.de/2010/05/google-analytics-und-der-datenschutz.html

  6. Marcel sagt:

    Hi Andreas,
    schönes Fazit, sehe ich ganz genauso. Die Leute heulen hysterisch rum wenn es um Google Analytics, Streetview oder ähnliches geht und drängen bei Facebook & Co. den Leuten gleichzeitig ihr Privatleben inkl. echter Angaben auf, völlig paradox! Wahrscheinlich posten Sie dann bei Facebook auch noch öffentlich für alle das sie sich nach mehr Privatsphäre sehnen ;-) Hoffe das Problem mit Analytics ist jetzt endlich gelöst.

    Cheers,
    Marcel

  7. Google ist nicht das Problem – das sehe ich genauso.

    Und – selbst wenn jetzt 10% aller Nutzer das Add-on installieren würden (es werden sicher deutlich weniger sein), würde das die Analyse der Daten in keiner Weise beeinträchtigen. Alle, die Web Analytics im professionellen Umfeld betreiben, wissen, dass man die absoluten Zahlen eh nie anschaut, weil sie für sich genommen keine Bedeutung haben. Man schaut immer nur auf relative Trends, auf zeitliche Entwicklungen, auf differenzielle Kampagnenperformance etc. – und die sind dieselben, wenn ich einen Teil der Daten wegnehme. Bei großen Websites werden die Daten von Analysetools z.B. oft aus Zeit- oder Kostengründen gesampelt (zum Beispiel nur jeder 10. Zugriff wird aufgezeichnet) – die Schlüsse, die man aus der Analyse dann ziehen kann, sind, eine ausreichende statistische Grundgesamtheit vorausgesetzt, dadurch nicht gefährdet.

  8. Viktor sagt:

    >>Nun zuerst geben sehr viele Internet Nutzer FREIWILLIG eine Menge an persönliche Daten weiter und dies ohne einen Zwang.

    »freiwillig« ist dabei ein sehr entscheidendes Wort!

  9. Patella sagt:

    Hallo,
    guter Artikel. Aber auf den Punkt gebracht ist es doch nur eine Frage der sogenannten “Informationellen Selbstbestimmung”, die sollte uns doch allen wichtig (heilig?) sein. Ich möchte die Wahl haben, was ich wann und wie öffentlich mache, nicht mehr und nicht weniger. Jeder soll von sich preisgeben, was er will.

    Die Wahl, was ich von mir freigebe habe ich jetzt (ein bischen mehr).
    Also: Danke Google.

    PS: Der nächste große Wurf, wäre Daten aus dem Netz wieder raus zu bekommen …

  10. Mißfeldt sagt:

    Danke für den Artikel. Habs noch gar nicht mitbekommen. Ich finde allerdings, dass die Sache zu kurz greift. Man sollte sich eigentlich ein Plugin installieren, wenn man explizit zustimmt, dass man seine IP getrackt haben möchte. Alles andere ist unlogisch und konsequent.
    Bin mal gespannt, wie die Datenschützer darauf reagieren. Mich ärgert bloß, dass ich jetzt über alle Browser noch ein Plugin installieren muss. Aber immerhin, ich werds machen und empfehlen.
    Gruß, Martin

  11. Schnurpsel sagt:

    Wenn man wollte, konnte man schon lange Google Analytics (und AdSense gleich mit :-) aussperren, dazu braucht man kein Browser-Plugin. Nur weiß das kaum jemand und machen tun es noch weniger.

  12. [...] dem positiven Beispiel von Google folgen. Denn wir man bei Blogszene nachlesen kann (siehe “Google Analytics – Ende der Diskussionen?“), gibt es nicht wenige, die ebenfalls munter mit IPs jonglieren. Als Marktführer hat [...]

  13. Martina sagt:

    Eigentlich wird es doch Zeit. Immerhin machte Google in der letzten Zeit genügend negative Schlagzeilen, wenn es um den Datenschutz geht. Allerdings glaube ich kaum, dass das Thema damit endlich ein Ende findet. Letztlich gibt es noch genügend Knackpunkte.

  14. Mirco sagt:

    @Schnurpsel: Du meinst bestimmt Noscript oder Adblock oder? Das Addon wird sich wohl auch kaum jemand installieren. Zudem weiß ja noch keiner ob es funktioniert, nicht dass es sich so wie mit der Google Toolbar verhält.

  15. Sensei sagt:

    Also was jetzt Analytics angeht finde ich es armselig was da getrieben wird, vor allem weil eben an dieser Stelle nur die IP getrackt wird. Viel wichtiger wäre es mir persönlich dass eben solche Personensuchmaschinen wie du sie erwähnt hast reglementiert werden, wenn man Daten schützen will.

    Denn da hat keiner Kontrolle drüber, vor allem, weil man ja dazu gezwungen wird, seine Daten als Blogger frei verfügbar in Netz zu stellen, nicht gerade fair oder?

    Mit der IP habe ich kein Problem, aber ich hab eben keine Lust in einer Personensuchmaschine mit irgendwelchen gemixten Infos aufzutauchen, die gar nicht zu mir gehören.

    Die Lösung für Analytics finde ich aber ok, besser als wenn es direkt eingebaut wird, so behalten wir wenigstens ein paar Daten zum tracken.

    m2 Cents

  16. Schnurpsel sagt:

    @Mirco
    Ich dachte da eher an was radikaleres, weil browserunabhängiges.
    Bei mir sperre ich GA (und andere Sachen) schon beim Router aus. Noch eine Möglichkeit wäre, per DNS (hosts-Datei) die Aufrufe ins Leere laufen zu lassen.

    Aber das sind dann schon eher Sachen für Spezialisten, sowas werden Tante Emma, Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher nicht machen.

    Die durchgreifendste Lösung könnten natürlich die ISP bereitstellen. So wie das STOP-Schild, einfach auch GA per DNS auf eine IP-Adressen-Speichern-ist-Böse-Seite umleiten. :-)

  17. Mirco sagt:

    @Schnurpsel: Ich nehme an du sperrst an deinem Router die Google Analytics Tracker Scripts aus oder? Hehe ja bei der etc-host würde ich einfach alles auf den localhost also 127.0.0.1 umleiten.

    Unser lieben ISP setzten es doch selber ein ;-) Glaube nicht, dass sowas passieren würde. Aber ein STOP-Schild fände ich cool ^^

  18. Tanja sagt:

    Die Frage die sich mir diesbezüglich stellt ist, ob die GA Nutzer nun diesen Link in ihren Datenschutzerklärungen bereit stellen müssen?

    Ich denke Google reagiert hier nur auf den Druck der Datenschützer und die wären es, denen wir in den “popo” treten müssten, denn die sind es, die es uns unmöglich machen wollen, aussagekräftige Werte zu erhalten, auf welche Art und Weise auch immer. Das ist ihr eigentliches Ziel. Zwar haben sie sich erst auf Google eingeschossen, aber die nächsten sind sicherlich auch bald an der Reihe…

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