Gestern habe ich einen recht kurzen aber dennoch interessanten Beitrag beim Caschy gelesen, bei dem es sich um den kommenden Micropayment Dienst Flattr handelt. Flattr ist noch nicht für alle zugänglich, hat aber ein interessantes Konzept in Verbindung mit der typischen Social Web Note. Caschy schreibt, das er noch nicht daran glaubt das es funktionieren kann. ich sage, das Flattr ein Flop wird. Warum,will ich in diesem Artikel auch begründen.
Flattr – Spende oder doch Beitragsgebühr?
Flattr ist rasch erklärt: Jeder kennt diese Social Buttons wie von TweeteMe mit denen man einen Artikel beispielsweise in Twitter verbreiten kann, damit honoriert man auch einen gut geschrieben Artikel. Flattr funktioniert ähnlich, man betätigt auch einen Button um den Artikel zu honorieren nur in diesem Fall im doppelten Sinne. Flattr setzt vorraus, das man bereits einen bestimmten Betrag Monatlich(!) zur Verfügung gestellt hat (z.B. via PayPal) und dieser Betrag X wird dann auf alle Artikel aufgeteilt, für die man gevoted hat. Das ganze geht auch mit diversen Dateien wie Videos, Bilder, Audio Dateien und einigen anderen Dingen mehr. 10% vom Monatlichen eingezahlten Betrag, erhalten die Betreiber von Flattr.
Also, um bei Flattr überhaupt mitmachen oder nutzen zu können, sind zwei Dinge erforderlich. Zum einen muss man sich Registrieren, was natürlich schnell erledigt ist, zum anderen muss man einen gewissen Betrag bereit stellen. Monatlich. Spätestens hier haben sich schon die ersten Leser von Flattr verabschiedet. Da bin ich mir ganz sicher.
An sich ist die Idee nicht schlecht und auch Zeitgemäß. Dennoch wird sie nicht funktionieren. Oder klickt jemand von Euch auf diese PayPal Spenden Buttons? Kennt Ihr noch die Amazon Wunschlisten? Selbst in der Hochphase wurden diese kaum benutzt oder erfüllt. Für Blogger wird es auch zunehmend schwerer überhaupt irgendeine Art von Honorierung oder Dank für gute Artikel zu erhalten. Für kleinere Blogs sowieso. Artikelverlinkung untereinander findet immer weniger statt und man freut sich über jeden einzelnen Kommentar den man erhält. Das größte Feedback erhält man oftmals über Twitter oder Facebook. Bekannte Blogs haben da natürlich weniger Probleme, ist aber auch OK denn die haben sich das auch über lange Zeit auch meistens erarbeitet. Die wissen aber auch aus Erfahrung, das solche Buttons kaum etwas bringen was vermutlich auch die Skepsis von Caschy erklären dürfte. Auch Piet von Netzpanorama.de, hatte schon im Februar darüber geschrieben (eben wieder entdeckt) und ähnliche Bedenken geäußert.
Nachgerechnet
Jetzt wird es etwas trocken aber man sollte sich auch ein paar Dinge vor Augen halten:
In wie fern sich das ganze eventuell für den ein oder anderen Blogger überhaupt rentieren könnte, ist relativ schnell kalkuliert. Bleiben wir mal realistisch und nehmen einen monatlichen Betrag von 5 Euro der via PayPal eingezahlt wird. Von diesen 5 Euro fallen schon gut ca. 4% (Flattr ist Gewerblich) an Gebühren für PayPal an. Bleiben 4,80 Euro. Je nachdem wie Flattr die Summe aufnimmt (entweder 5 Euro oder eben 4,80 Euro) gehen nochmals 10% für Flattr weg. Ich glaube kaum, das Flattr die PayPal Gebühren in ihre 10% mit reingenommen haben ansonsten wäre das schon zu Beginn nicht mehr rentabel. Im schlechtesten Fall bleiben von den 5 Euro also 4,30 Euro zum verteilen übrig. Nehmen wir nun mal an, man ist Großzügig und klickt fleißig für seine Lieblingsblogs. Das wären so 3-4 Klicks? Wahrscheinlich auch mehr. Am Wochenende ist bekanntlich etwas weniger im Internet los und es wird auch weniger publiziert. 4 Klicks für Samstag und Sonntag. Maximal. Pro Woche wären das so zwischen 20-25 Klicks die man verteilt oder 3,5 Klicks/Tag. Das ganze mal 30 Tage macht 105 Klicks/ Monat. Rein theoretisch bringt dann jeder Klick 4 Cent. Dies ist nur eine Beispielsrechnung und wahrscheinlich wird noch weniger dabei rumkommen. Nun kommen wir zum eigentlichen Knackpunkt auf den ich in Wahrheit damit hinaus will:
Anspruchsverhalten
In letzter Zeit konnte man vermehrt Diskussionen über bezahlte Blog Posting lesen. Da beschwerten sich Leser über Trigami oder Halimash Beiträge. Ein Punkt war bei jeder Diskussion sehr deutlich erkennbar: Der kritisierende Leser, erhob einen Anspruch auf den Blog. Mal direkt, mal indirekt. Was passiert nun wenn ein Blogger den Flattr Button in seinen Blog eingebaut hat, zusätzlich etwas Werbung in Form von Banner oder Bezahlte Beiträge veröffentlicht? Eventuell sogar noch Google Adsense? Das kann ruhig auch dezent eingesetzt werden aber nun wird das erst recht wahr genommen. Natürlich Negativ. Ich glaube, das kann sich fast jeder selber denken was passieren wird und dazu wird es sicherlich auch vermehrt kommen. Mit einem einzigen bezahlten Blog Artikel, wird man wohl wesentlich mehr verdienen als mit dem Flattr Button im ganzen Monat. Alle Werbemöglichkeiten zusammen, das würde ich nicht riskieren wollen. Jede Wette, das ihr euch früher oder Später blöde Sprüche deswegen anhören dürft.
Fazit
Flattr ist keine schlechte Idee, das denke ich wirklich aber es wird sich auf Dauer nicht etablieren und schon gar nicht lohnen. Ganz Ehrlich, ich wäre wirklich froh wenn ich mich damit total täuschen würde aber man muss mal realistisch bleiben. Die meisten sind halt (noch) nicht bereit, für gute Inhalte auf irgendeine Art und Weise zu zahlen. Man ist es auch gewohnt, digitale Inhalte im Internet aus diversen Quellen kostenlos zu beziehen. Selbst die neuen Facebook Buttons bleiben hinter den Allgemeinen Erwartungen zurück. Von 100 Besucher, nutzen vielleicht 5 den Facebook Button. Flattr wird wahrscheinlich nur bei den richtig großen und bekannten Blogs einigermaßen gut funktionieren, da diese auch entsprechenden Traffic haben. Die Masse bringt es. Ob es sich dann lohnen wird, ist eine andere Sache.








Ich werde ja meine Zahlen veröffentlichen
Ich glaube das man da differenzieren muss. Flattr wird sicherlich in Deutschland kein großen Erfolg feiern, dafür geben wir Deutsche zu ungern. Ich denke aber, dass es sich in den USA rentieren wird. Dort ist man meiner Meinung nach eher dazu bereit einen guten Beitrag zu honorieren und die Leute in den USA scheinen weniger Probleme mit Werbung auf Blogs zu haben.
Ähnlich verhält es sich doch mit der Verlinkung der Blogs untereinander. Dort wird auch nur noch das nötigste verlinkt um nicht in den Verruf des klaus von Inhalt zu kommen.
@Caschy
Da bin ich mal gespannt
@Christian
Ich denke Du liegst da richtig. Im Englischsprachigen Bereich dürfte das Konzept eventuell besser aufgehen. Allerdings liegt es da wohl auch eher an der Masse und der großen Verbreitung der Sprache. Mal schauen was daraus wird.
Ich hatte mal auch überlegt, den Dienst in meinem Blog einzubinden. Doch: Da man an einen Account zurzeit wirklich nur auf “Bestellung” rankommt (und warten muss), ist die Verbreitung bzw. Bekanntheit zumindest in Deutschland wirklich sehr, sehr, sehr minimal. Das lohnt sich nicht. Platzverschwendung.
Ich finde Flattr ist eine super Idee, allerdings bewerte ich den möglichen Umsatz ein wenig höher als 0,02-0,04 pro Klick. So wie ich das verstanden habe, ist kann man auch mehrere Artikel eines Blogs anklicken und auf die “Empfängerliste” nehmen.
Ich persönlich würde eher bei Nischen-/ kleineren Blogs klicken als bei den großen. Alles in allem kalkuliere ich eher mit 20 Klicks im Monat und nicht 105, das würde 0,20€ bedeuten und wenn es dann 2 Artikel in einem Blog sind ist der Besucherwert garnicht mal sooo schlecht. Das würde bedeuten, daß Erstbesucher für diesen Service interessanter sind, da sie u.U. auch mal im Archiv stöbern und dort Klicks hinterlassen.
Ich finde Flattr ist eine gute Idee. Wir haben den Button auch mal eingebaut, auch wenn ich selbst nicht so recht an den Erfolg glaube. Zumindest werden wir das eine Weile beobachten und bei Nicht-Erfolg kann man ja Button auch wieder entfernen.
Dein Killerargument ist also, dass man sich lieber die anderen Einnahmeformen (Werbung und bezahlte Posts) offen halten sollte / will??
Wieso dann nicht auch noch den Flattr-Button (immerhin nicht viel anders wie ein Facebook- oder sonstiger Social-Bookmarking-Dienst-Link)?
Immerhin erlaubt es dieser dann auch, Feedback zu bekommen – genauso wie Digg, Reddit etc – nur eben mit monetärem Hintergrund.
Es geht irgendwie auch etwas in Richtung “1¢ zahlen, um Blogkommentare zu verifizieren” – also als Anti-Spam- oder Ernsthaftigkeitsgebühr:
2€ im Monat hat jeder über und dadurch tritt man in den Club der “verifizierten Abstimmer” ein.
Zudem ist Deutschland (meinem subjektiven Empfinden nach) während der Betaphase / derzeit sehr stark vertreten (s. auch http://twitter.com/#search?q=%23flattr).
Hi Daniel,
ist sicher kein Killerargument. Nur eine weitere Verdienst Option. Manche würden auch “das kleinere Übel” sagen.
Ich habe jetzt schon ein paar Blogs mit Flattr Buttons entdeckt, auch deinen. Besonders viel wird der Button nicht geklickt. Entweder ist dieser noch nicht so in Deutschland bekannt und wird nur als weiterer “Voting Button” wahrgenommen oder es besteht kein Interesse seitens des Lesers an Flattr. Vielleicht weil es mit Kosten verbunden ist.
Das Argument Kommentieren nur gegen Cash ist natürlich ein nettes
“Ihre Meinung ist nur gefragt wenn Sie ein paar cent spenden.”
@Andreas: Ich sehe auch die Gefahr, daß Flattr als dreiundzwölfzigster Social-Bookmark-Dienst wahrgenommen wird.
Ich glaube auch nicht, dass dieser Dienst in unseren Breitengraden ein Erfolg wird. Noch nicht mal der PayPal Spenden Button bei den Plugin Entwicklern lohnt sich ja bei uns
Kann mir zwar vorstellen, dass in Kürze fast jeder Blog mit einem solchen Button ausgestattet ist, aber warten mir mal ein halbes Jahr, dann werden die meisten, die nicht über tausende Besucher pro Tag verfügen, bei denen das vielleicht funktioniert, den Button wieder runter nehmen, mangels Nutzung. Hätte gerne unrecht, aber ich glaube nicht so wirklich daran…
[...] mich der Blog Blogszene.com von Sören Eisenschmidt auch bekannt als eisy mit seinem Beitrag Warum Flattr ein Flop wird. Auch der Rest des Blogs oder eher des Magazins macht auf mich einen Ordentlichen und sehr [...]
Ich bin gespannt wann bei mir mal eine Einladung ein“flattrt“ damit ich diese ganze Geschichte mal ausprobieren kann. Habe mich ja bereits dort „vor“-angemeldet und warte voller Geduld. Ich halte es nämlich nicht für einen Service der zum Scheitern verurteilt ist, sondern blicke dem Dienst auch in Deutschland recht optimistisch entgegen. Zumindest unter Bloggern könnte man den Dienst nämlich durchaus etablieren.
Erinnert mich irgendwie ein wenig an diese Kulturflatrate, besonders im Zusammenhang Musiker zu Zuhörer.
[...] bin ich ja äußerst skeptisch was die Zukunft von Flattr in Deutschland betrifft. Im Blog Blogszene ist ein Artikel der sich mit dem Thema ein wenig auseinander setzt. Dort scheint man in den [...]
[...] mit Spende-Buttons im Allgemeinen sehr ernüchternd und viele Blogger skeptisch sind (siehe u. a. 1, 2 und [...]
[...] Da ist man wirklich Froh, das es noch genug gescheite Leute im Internet gibt. Meine Meinung warum Warum Flattr ein Flop wird teilten nicht alle und es gab auch einige sehr interessante Artikel über Flattr zu lesen. Wir [...]
Also ich finde die Idee gut. Am Anfang einen Betrag festzulegen, den man ausgeben möchte kann sich jeder überlegen und sich dazu entscheiden.
Dann haben die Bloger die Flattr nutzen einen Grund mehr, gute Artikel abzuliefern (das machen die meisten ja auch schon).
Bisher habe ich schon über die PayPal-Donate-Funktion (vor allem bei Software) für tolle Leistung gezahlt. Vorteil: Ich kann gezielt einen bestimmten Betrag an jemanden senden.
Kleiner Beträge habe ich aber aus Faulheit nicht gezahlt. Außerdem fällt die Beurteilung über einen “angemessenen” Betrag oft schwer. Dabei fühle ich mich oft wie im Cafe, wo ich bei 3,90 Euro überlege, ob ich “nur” 10 Cent (ist irgendwie zu wenig) oder 1,10 (ist irgendwie zu viel) bezahlen soll.
Die Flattr-Variante (auch wenn die Summen pro Click niedrig sein mögen) stellt immerhin eine Einnahme-Möglichkeit für die Blogger dar.
Ich finde Flattr es interessant und eine Idee die gut in die Zeit paßt.
Gruß
Oliver Rumpf
[...] war schon per Kommentar auf bei Blogszene kritisch gegenüber Flattr und ich habe für mich recht behalten. Viele andere Blogger [...]